Die Geschichte vom „wilden“ Katerle Damon

– Projekt Wildlinge –

Ganz oben, hinten im Körbchen auf dem Regal im Katzenzimmer, tief im Innern vergraben, versteckt vor eventuellen neugierigen Blicken – das war Damons bevorzugter Platz im Tierheim Tübingen.
Nicht nur Tage, Wochen, Monate sondern fast ganze anderthalb Jahre verbrachte Damon hier seine überwiegende Zeit. Man musste sich schon die Mühe machen, zumindest auf einen Stuhl zu steigen, um überhaupt einen Blick auf den Kater werfen zu können. Belohnt wurde man dafür mit vor Schreck geweiteten Pupillen, wildem fauchen – wer zu nahe kam – mit spucken und blitzschnellen Pfoten Hieben!

» Alles war Stress für den zierlichen, schwarz-weißen Kater, Kitten einer verwilderten Hauskatze – Megastress! «

Die Wände und Gitter, die Damon seiner Freiheit beraubten, seinen Bewegungsspielraum deutlich einschränkten, Fluchtmöglichkeiten ausschlossen!

Die vielen anderen Katzen auf engem Raum, mit ständig wechselnder Belegung. Die Rivalitäten, Auseinandersetzungen um Rangordnungen, das hohe Infektionsrisiko.

Und vor allen Dingen und insbesondere die vielen Menschen!

Die Mitarbeiter des Tierheims, die täglich die Katzenzimmer und Außengehege reinigten. Selbst die Tierpfleger, die zweimal am Tag frisches Futter und Wasser brachten.

Die menschlichen Hände, die nach ihm griffen, Damon festhielten, versuchten ihn zu drehen, abzutasten und manchmal auch pieksten.

Und dann die Besucher. Immer wieder andere Menschen mit fremden Gerüchen und Geräuschen. Mal in kleinen, behutsamen, teilweise aber auch in größeren, lauteren Gruppen.

Dass sie alle es nur gut mit Damon meinten, war für den kleinen Kater unvorstellbar!

Mit den anderen Katzen hat Damon sich arrangiert, Katerkumpelschaften geschlossen.

Vor den Wänden und Gittern schließlich resigniert.

» Die extreme Scheu vor Menschen blieb … «

Damon kam durch eine Fangaktion in Rottenburg-Kiebingen im Mai 2011 ins Tierheim nach Tübingen. Zusammen mit seiner wilden Katzenmutter und zwei Geschwistern. Die Mutterkätzin konnte nach Kastration und Registrierung wieder ausgewildert, zurück an eine betreute Futterstelle gebracht werden.
Die 3 Kätzchen – 2 Katerle und 1 Kätzle – waren ca. 10 Wochen alt und – wie die Tierpflegerinnen sagen –‚ teufelswild‘. Keine Chance zum Anfassen – selbst als so kleine Kätzchen nicht. Sie bekamen darum die Namen Damon – Devil – Buffy und blieben im Tierheim Tübingen.
Buffy – nicht ganz so wild, aber genauso scheu wie ihre Brüder – konnte vermittelt werden, kam zurück, wurde wieder vermittelt.

Devil – das eine der Katerle – verstarb bereits nach ca. 4 Wochen; trotz Obduktion konnte keine 100% Ursache festgestellt werden.

» Übrig blieb Damon «

Im Juli 2012 verliebte ich mich in den kleinen schwarz-weißen Kater!

Damon saß damals bereits von seinen 16 Monaten Katerleben über 13 Monate im Tierheim!

Nach wochenlanger, täglicher, 1–3-stündiger intensiver Beschäftigung mit Damon wurde ich dann endlich mit einem winzigen Teilchen seines Vertrauens belohnt. Oder anders gesagt, hatte Damon ein bisschen seiner extremen Scheu und Angst abgelegt und winziges Vertrauen gefasst. Das wilden Fauchen und die Pfoten Hiebe blieben aus, Katerle Damon nahm Leckerlies sogar direkt aus der Hand. An Streicheln oder Anfassen war nicht mal zu denken.

» Aber es war bereits zu spät!!! «

Die Krankheit kam in Schüben. Schleichend. Unheimlich heimlich! Zunächst mit über längeren Zeiträumen kaum oder überhaupt nicht wahrnehmbaren Symptomen.

Akut zum ersten Mal im Juni/Juli 2012 noch im Tierheim. Lethargisch, fressunlustig, mager und mit stumpfem Fell saß Damon an immer der gleichen Stelle im Katzenzimmer– Verdacht auf Katzenschnupfen mit entsprechender Antibiotikabehandlung.


Zunächst schien es Damon in seinem neuen Zuhause dann wieder absolut gut zu gehen!

Auch wenn er für einen so jungen Kater viel lag und schlief, wanderte er doch regelmäßig durch die Wohnung, ließ sich manchmal auch zum Spiel animieren.

Aber als die grauen Tage kamen, der Winter sich immer mehr in die Länge zog – da waren sie wieder, die Symptome, schleichend, stetig sich verstärkend.

Damon – noch nie ein guter Esser – fraß immer weniger, nur mit viel Bemühen kleine Portionen; trank extrem viel. Wurde immer magerer, schlief noch mehr, bewegte sich immer weniger und lag meist auf seinem Kratzbaum.

Als sich das Frühjahr zumindest erahnen ließ – auf den letzten Metern zur eigentlich geplanten, lang-ersehnten Freiheit/Freigang – stellten sich Schluckbeschwerden, schwere Atmung ein. Schließlich musste sich Damon der Krankheit geschlagen geben.

Katerle Damon verstarb am 02. April 2013 beim Tierarzt, gerademal ganze 2 Jahre alt. Wie schon bei seinem Geschwisterchen Devil war keine 100% Diagnose der Krankheit möglich!

Das war die Geschichte vom kurzen und traurigen Leben von Katerle Damon, der niemals die Freiheit kennenlernen, im Gras in der Sonne liegen und mit den Schmetterlingen um die Wette laufen konnte…

Kater Damon, sein Geschwisterchen Devil sowie Timmy, an Toxoplasmose erkrankt und im Mai 2013, kein ganzes Jahr alt, eingeschläfert, stehen hier stellvertretend bzw. geben Ihre Stimme den ca. 2 Millionen in Deutschland frei lebenden, verwilderten, meist an Parasiten und Infektionskrankheiten leidenden, (ehemaligen) Hauskatzen!

» Sie appellieren an die ihnen eigentlich zur Obhut verpflichteten Menschen «

Stoppt endlich das Katzenelend, die unkontrollierte Vermehrung und damit zunehmende Anzahl herrenloser, verwilderter, an Krankheiten und Hunger leidenden Katzen.

An jeden einzelnen Katzenbesitzer:
Lasst Eure Katzen – egal ob Kater oder Kätzin – kastrieren und registrieren!

An alle, die herrenlose Katzen füttern:
Nicht nur füttern, sondern kastrieren; unbedingt dem nächsten Tierschutzverein melden!

An alle Gemeinden/Kommunen:
Tut endlich Eure Pflicht und führt die von Tierschützern lange geforderte Kastrationspflicht ein! (Tierschutzgesetz §13b Fassung vom 13.07.2013)

An alle eventuell zukünftigen Katzenbesitzer:
Keine Katzen von Züchtern oder gar aus dem Internet kaufen! Damit wird nur die weitere Vermehrung und immer dichter werdende Katzenpopulationen gefördert! Gebt den Katzen, gerade auch den scheuen und ‚wilden‘ im Tierheim eine Chance…

An alle Tierfreunde:

Unterstützt die Tierheime / Euer Tierheim (auch) bei ihrer mühsamen, zeit- und kostenintensiven Arbeit mit und für diese Wildlinge (Fangaktionen, Kastrationen, Impfungen und Untersuchungen beim Tierarzt, Betreuung von Futterstellen usw.)
Meldet uns mögliche Futterstellen für gerade diese wilden Katzen (Pferde- und Bauernhöfe, Gütle, Grundstücke mit Scheunen oder Hütten, usw. werden immer wieder händeringend gesucht). Bitte melden Sie sich, wenn Sie die Betreuung einer solchen Futterstelle übernehmen wollen und können.


Spenden unter dem Stichwort Projekt Wildlinge:
Kreissparkasse Tübingen

BLZ 641 500 20

BIC SOLADES1TUB

Konto 90 7 35

IBAN DE65641500200000090735

Volksbank Tübingen

BLZ 641 901 10

Konto 299 29 008

IBAN DE45641901100029929008

BIC GENODES1TUE

Hier können Sie mit Ihrer Stimme die Forderung nach einer bundesweiten Tierschutzkatzenverordnung unterstützen: http://www.tierschutzbund.de/protestieren_katzenschutzverordnung.html

 
Es danken Ihnen post mortem
die Katerle Timmy, Devil und Damon

Text: Karin Hudjetz / Fotos: Karin Hudjetz + Tierheim Tübingen