Der tschechische Wolfshund Bronco und seine Geschichte !

Eine hundeunerfahrene Familie suchte im Internet nach einem Hund, der als neues Familienmitglied aufgenommen werden sollte. Schnell wird eine Seite im Internet gefunden, auf der Tschechische Wolfshunde angeboten werden.Der dahinter stehende Züchter bietet seine Hunde als absolut familientaugliche Hunderasse an und verkauft sie zu einem Sonderpreis von 800 €. Er überredet die Familie, einen Welpen mitzunehmen.

So kam Bronco in diese hundeunerfahrene Familie. Als bei Bronco  die Pubertät einsetzt, will er heraus finden, ob er seine Position als Alpharüde in der Familie einnehmen kann. Wie zu erwarten, wenn die Rangordnung nicht eindeutig geklärt ist, kam es zu Beißvorfällen.

Die Besitzer von Bronco wussten sich nicht mehr zu helfen und brachten ihn aus Sicherheitsgründen in einen eingezäunten Garten mit Schuppen. Der Zaun war kein Hindernis für Bronco – er biss ihn durch, verließ seinen – für ihn viel zu kleinen – Garten und genoss eine Zeitlang seine Freiheit. Seinem Besitzer gelang es, ihn wieder einzufangen.

Die Familie war der Verzweiflung nahe und machte sich Vorwürfe, welche Fehler sie denn in der Erziehung von Bronco gemacht hätte. Sie wandten sich um Rat an den Züchter – laut Vertrag sollte dieser Bronco wieder zurück nehmen, sollte es zu unlösbaren Problemen kommen. Davon wollte er nichts mehr wissen, er hätte keinen Platz für Bronco und die Sache sei für ihn erledigt.

Daraufhin suchte der Besitzer Hilfe bei einem Hundeverein, der ihm helfen sollte, Bronco richtig zu erziehen. Auch da wurde kein Zugang zu Bronco gefunden – schließlich blieb der Familie nur der Gang zum Tierheim.  Das dortige Tierheim lehnte es jedoch ab, die Verantwortung für Bronco zu übernehmen und verwies an das Tübinger Tierheim. Man habe gehört, es gäbe dort jemanden, der sich mit schwierigen Hunderassen auskenne.

So kam Bronco im Alter von neun Monaten zu uns ins Tübinger Tierheim. Sein Besitzer trennte sich schweren Herzens von ihm. Dass es nicht einfach werden würde mit Bronco, war schnell klar. Er hatte gelernt „wenn ich beiße, habe ich meine Ruhe“ – dieses Muster musste durchbrochen werden.

Bronco vertraute mir relativ schnell und er machte schnelle  Fortschritte. Nun fingen wir an zu grübeln – wohin könnte Bronco vermittelt werden? Mit Sicherheit nicht in ein Wohngebiet. Tschechische Wolfshunde brauchen ein großes Auslaufgebiet und sind nur glücklich in einem Rudel.

Uns war keine Einrichtung in Baden-Württemberg bekannt, die solche Hunde dauerhaft aufnehmen könnte. So bat ich Antje, eine Mitarbeiterin des Tierheim Tübingens, sie solle doch mal im Internet nach einer geeigneten Stelle für Bronco suchen. Antje stieß nach mühsamer Suche auf eine Seite „Tschechische Wolfshunde in Not“ und nahm Kontakt auf. Einige Tage später meldete sich eine Frau bei uns und teilte uns mit, dass sie an Bronco interessiert wäre und ein bestehendes Rudel hätte, in das man Bronco integrieren könnte. Wir machten uns sofort an die Arbeit und erkundigten uns über diese Einrichtung – überall bekamen wir nur positive Auskünfte. Auch die Internetseite versprach nur das Beste. Ich nahm Kontakt mit der Leiterin auf und wir einigten uns, Bronco so schnell wie möglich mit dem Rudel in Kontakt zu bringen.

Vor uns lag ein weiter Weg – ca. 1800 km hin und zurück – weit hinter Hamburg war das Ziel. Eine Fahrerkette wollte ich Bronco nicht zumuten – zu groß wäre der Stress für ihn gewesen. So entschloss ich mich, den Weg alleine zu wagen – der Ausgang war ungewiss, da wir nicht wussten, ob sich Bronco überhaupt in das Rudel integrieren würde.

Zwei Probleme galt es noch zu lösen: wer übernimmt die Kosten für den und woher bekomme ich einen zweiten Fahrer für diese lange Fahrt? Spender wurden gefunden – unter anderem beteiligte sich Broncos ehemaliger Besitzer – und einen zweiten Fahrer fand ich in den eigenen Reihen mit Andreas Heusel, der schon oft spontan geholfen hat.

Am Sonntagmorgen um halb fünf fuhren wir los – in der Hoffnung, dass alles klappt. Nach acht Stunden Fahrzeit kamen wir an. Wir wurden freundlich empfangen und nach einem kurzen Willkommen zu besagtem Wolfsrudel geführt.

Wir haben Bronco zuerst in dem sehr großen Auslauf springen lassen, damit er in Ruhe die neuen Gerüche aufnehmen konnte. Seine Signale waren sehr positiv und schließlich konnten wir es wagen, den Alpharüden des Rudels zu ihm in den Auslauf zu bringen. Jetzt kam’s drauf an. Bronco musste sich ihm sofort unterwerfen, damit es zu keiner Beißerei kommt. Eine heikle Situation – aber Bronco hat genau das getan, was er tun sollte.  Der Alpharüde hat ihn akzeptiert. Jetzt konnte der Rest des Rudels mit aufs Gelände, Bronco wurde von allen liebevoll aufgenommen. Und er bekam gleich eine Lebenspartnerin – eine weiße Wolfshündin – zugeteilt. Wie ließen dann das Rudel über eine Stunde alleine, um zu sehen, ob es auch dann klappt, wenn wir nicht in der Nähe des Rudels sind. Alles ging gut, mir fiel ein großer Stein vom Herzen. Unsere Anstrengungen haben sich in jeder Beziehung gelohnt.

Jetzt kam der Abschied von Bronco. Er und die anderen kamen sofort zu mir und er schmuste mit mir, um zu sagen, endlich bin ich angekommen und kann nun artgerecht mein Leben im Wolfsrudelverband mit meinen Menschen beginnen.Beruhigt und auch voller Stolz traten wir die Heimreise an und kamen nach insgesamt 17 Stunden Fahrt spätabends im Tübinger Tierheim an.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei allen, die am Fall Bronco beteiligt waren, bedanken. Bei Frau Grossman von „Tschechische Wolfshunde in Not“, bei Herrn Noe, der mir den Rücken freihielt, um die ganze Aktion durchziehen zu können und vor allem bei Frau Antje Maulick, die den entscheidenden Kontakt hergestellt hat. Und auch bei Andreas Heusel, der für Speis, Trank und Unterhaltung während der langen Fahrt gesorgt hat.

 

Zum Glück nahm Broncos Geschichte einen glücklichen Ausgang. Sie macht aber wieder einmal mehr deutlich, dass es absolut unumgänglich ist, sich über die jeweiligen rassespezifischen Eigenheiten und Bedürfnisse eines informieren.  Viel Leid kann so vermieden werden.

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